[März 2009]
Klimapolitik/Details: ETS, CDM, REDD
Emissionshandel der EU
Das
Emission Trading Scheme (ETS)
ist auch aus Sicht der EU ein zentraler
Teil ihrer Bemühungen, die Reduktionsverpflichtungen
aus dem Kyoto-
Protokoll zu erfüllen. Es ermöglicht
den Handel von EU-internen Emissionsrechten
(EUAs) zwischen Emissionsverursachern
und Handelsfirmen.
Erfasst sind in Phase 1 und Phase
2 (2005-2007 bzw. 2008-2012) Industrien
und Energieerzeuger mit zusammen
40-50% der EU-weiten
Emissionen.
Theorie: Die Emissionsminderungen
sollen durch eine entsprechende Verknappung
der verfügbaren EUAs bewirkt
werden. Anhand ihres Marktpreises
können ETS-Teilnehmer beurteilen,
ob es billiger ist, Reduktionen
selbst vorzunehmen oder EUAs zu
kaufen. Anlagenbetreiber können
aber auch Zertifikate aus Projekten
zur Emissionsminderung in Entwicklungsländern
(Clean Development
Mechanism, CDM) und anderen Industrieländern
mit Kyoto-Zielen (Joint Implementation, JI) zukaufen und an
Stelle von EUAs vorlegen.
Praxis: Bisher weitgehend ineffektiv.
Überzuteilungen von EUAs haben ihren
Marktpreis gegen Ende 2007 gegen Null gedrückt, und die aktulle
Wirtschaftskrise hat den Bedarf an
EUAs und damit ihren Marktpreis
ebenfalls bereits stark gesenkt. Nennenswerte
EU-interne Reduktionen
sind am ehesten in der Phase 3
(„Post-Kyoto“) von 2013-2020 zu erwarten.
Für diesen Zeitraum ist eine
Reduktion der Emissionen der erfassten
Sektoren um 21% gegenüber
2005 vorgesehen, bei einem internationalen
Abkommen (inklusive USA)
um 30%. Das „Freikaufen“ durch die
Finanzierung von Emissionsreduktionen
anderswo wird auf 50% der EUinternen
Reduktion begrenzt.
Clean Development Mechanism (CDM)
Der Clean Development Mechanism
ist einer der im Kyoto-Protokoll vorgesehenen
„flexiblen Mechanismen“.
Die reichen Länder können Projekte
zur Emissionsminderung in Entwicklungsländern
finanzieren und sich
diese Reduktionen auf die Erfüllung
der eigenen Verpflichtungen anrechnen
lassen. Wichtigstes Kriterium bei
der Genehmigung von CDM-Projekten
ist die „Additionalität“ (Zusätzlichkeit).
Diese wird durch einen Vergleich
der Emissionen nach Projektdurchführung
mit dem Ausstoß in einem
Referenzszenario ermittelt
(„was wäre ohne das Projekt passiert?“)
– eine Schwachstelle des
Systems.
Welche Projekte finanzierbar
sind, hängt vom Preis der Reduktionszertifikate
auf den Kohlenstoffmärkten
ab.
Motto der bisherigen Entwicklung
(durchaus beabsichtigt): „Das Billigste
zuerst“. Daher der große Anteil
der Projekte zur Verbrennung von
HFC-23, einem Rückstand bei der
Kühlmittelherstellung und äußerst
potentem Treibhausgas (siehe Grafik).
Der Preis der Zertifikate lag weit
über den Reduktionskosten und sicherte
den Anlagebetreibern (v.a. in China) enorme Gewinne. 2007 dominierten
dagegen Projekte in den Bereichen
erneuerbare Energien (inkl.
Wasserkraft), Steigerung der Energieeffizienz
und Brennstoffwechsel –
etwa Gas statt Kohle. Die Weltbank
meint, auch effizientere Kohlekraftwerke
sollten für den CDM in Frage
kommen.
REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation)
Forstwirtschaft und Entwaldung
sind für mehr als 17% der gesamten
Treibhausgasemissionen verantwortlich
– daher die zentrale Rolle bei einem
zukünftigen Klimaabkommen.
Ein neuer Vorschlag bei den Klimaverhandlungen
sieht vor, Gutschriften
für die Vermeidung von Entwaldung
etc. in einen weltweiten Emissionshandel
einzubeziehen. Zu den
Risiken gehören neben einer Gefährdung
der Landrechte indigener
Waldvölker auch die Überflutung der
Kohlenstoffmärkte durch diese – erwartungsgemäß
billigen – Reduktionszertifikate.
Für hitzige Diskussionen
ist also gesorgt.