Montag, 3. Oktober 2011Seltenerdmetalle: Chinesische LektionNeu auf der Site Seltene Erden: Eine chinesische LektionWie auch immer: Mit der scheinbar plötzlich drohenden Verknappung einiger für Hochtechnologie-Produkte essenziellen Seltenerdmetalle ("Seltene Erden") befasste ich mich in dem nun hier publizierten Artikel für das Südwind Magazin (siehe linke Spalte). Mein Fazit, in etwa: China hat so etwas wie eine Industriepolitik, der "Westen" nicht, hier soll's ja möglichst bloß der Markt richten (tut er bis zu einem gewissen Grad auch, allerdings stets mit gravierenden sozialen und politischen Kollateralschäden). Austrian ConnectionDie Recherche zum Beitrag begann in diesem Fall zwar schon zumindest ein Jahr davor (als Basis für Artikelvorschläge), führte mich aber fast erst im letzten Abdruck zur Entdeckung der "Austrian Connection" zum Thema - die bedeutende Rolle der österreichischen Treibacher Industrie AG auf dem Gebiet der Seltenerdmetalle. Mit Exporten von 11.000 Tonnen war die Treibacher AG 2008 einer der größten Akteure der Branche außerhalb Chinas. Diese Information war zur Zeit der Hauptrecherche - Anfang September 2010 - in keinem österreichischen Medium zu finden, das sich damals bereits mit dem Thema befasst hatte, etwa weder im ORF noch im Standard. Ich stieß erst zufällig darauf, nachdem ich eine Publikation des British Geological Survey (BGS) im Web entdeckt und gelesen hatte (Rare Earth Elements). Offenbar war dieser Umstand in den hiesigen Wirtschaftsredaktionen unbekannt, sonst hätte irgendein Redaktionsmitglied auf die fast zwingende Idee kommen müssen, die Treibacher AG um eine Stellungnahme zu den chinesischen Exportbeschränkungen und den möglichen Folgen zu bitten - eine solche Stellungnahme war dann erst zwei Monate später, etwa im ORF Online, zu lesen. Also schritt ich zur Tat und wandte mich mit einer entsprechenden höflichen Bitte an das Unternehmen - allerdings ohne Reaktion, nicht bis zum Redaktionsschluss und nicht bis heute. Nun ist das Südwind Magazin sicher kein bedeutendes Medium, diese Nullreaktion erschien mir aber doch etwas erklärungsbedürftig. Nachdem ich anfangs an etwaige Verwicklungen des Unternehmens mit illegalen chinesischen Exportkanälen gedacht hatte (laut BGS hatte die Treibacher AG 2008 7.000 Tonnen importiert, großteils aus China, und ceteris paribus und ohne Lagerbestände hätte das Unternehmen daher fast die Hälfte der chin. Exportquote im 2. Halbjahr 2010 - nur 8.000 Tonnen - benötigt!), fand ich einen anderen möglichen Grund. Das Südwind Magazin könnte sich auf einer mutmaßlichen "schwarzen Liste" der Treibacher Industrie AG befinden, vielleicht in Zusammenhang mit einer vom Unternehmen angestrengten Klage gegen einen Aktivisten der Werkstatt Frieden & Solidarität, Gerald Oberansmayr, über die das Magazin berichtet hatte (im Oktober und im Dezember 2006). Die Hintergründe der Klage, die einen Streitwert von 240.000 Euro gehabt haben soll, habe ich nicht selbst nachrecherchiert. Es ging jedenfalls um einen Artikel von Oberansmayr im Standard vom 30. Mai 2006 über die schmutzigen Geschäfte westlicher Konzerne bei der Rohstoffausbeutung und Bürgerkriegsfinanzierung in der DR Kongo, in dem eine Verbindung zwischen der Treibacher Industrie AG und einem deutschen Geschäftsmann, Karl-Heinz Albers, insinuiert wurde, der damals von der UNO des illegalen Rohstoffabbaus und der Bürgerkriegsfinanzierung beschuldigt wurde. Nach einer Solidaritätskampagne, die auch Parlamentsabgeordnete einbezog, wurde das Verfahren schließlich "ewig ruhend" gestellt. Informationen dazu gibt es u.a. hier (Afroasiatisches Institut). Von Interesse ist auch die Person des damaligen Eigentümers der Treibacher Industrie AG, Baron August von Finck junior, der sich eher am rechten Rand der politischen Szene bewegt. Offenbar wurde damals in der linksalternativen Szene ein direkter Zusammenhang zwischen der politischen Einstellung des Eigentümers und der - für die betroffene NGO ruinösen - Klagssumme hergestellt (siehe etwa in diesem akin-Artikel). Die Eigentumsverhältnisse an dem Kärntner Unternehmen, das früher zum Bank-Austria/Creditanstalt-Konzern gehörte, haben sich übrigens mehrmals verändert; die Kleine Zeitung etwa schrieb dazu am 5.12. 2010: "1994 übernahm der von Erhard Schaschl geführte Wienerberger-Konzern die Treibacher, im Jahr 2000 der bayerische Baron August von Finck. Seit 2007 gehört die Treibacher Industrie AG der Treibacher Holding, an der zu 75 Prozent die Familienprivatstiftung von Erhard Schaschl und zu 25 Prozent die Familienprivatstiftung des Fruchtsafterzeugers Franz Rauch beteiligt ist." Aus den langjährigen geschäftlichen Beziehungen zwischen Erhard Schaschl und August von Finck ein entsprechendes politisches Nahverhältnis abzuleiten, ist unzulässig, und ich kann anhand meines aktuellen Informationsstands dazu auch nichts sagen. Wäre es aber so, dann stünde das Südwind Magazin deswegen auf einer "schwarzen Liste", weil es dem "linken" Lager zugerechnet wird. Oder im Unternehmen hat einfach niemand Zeit, Anfragen unbedeutender Medien zu beantworten. Sonntag, 11. September 2011China / Lohnkosten: Eine Yeti-FrageNeu auf der Site China / Lohnkosten: Eine Yeti-FrageDer nun hier publizierte Artikel für das Südwind-Magazin (siehe linke Spalte) gehörte zu einer Titelgeschichte zu den Arbeitskonflikten in China. Der Titel - leicht verändert - bezieht sich auf den so genannten "Lewis Turning Point", benannt nach dem Ökonomen Arthur Lewis - kurz, der Zeitpunkt, zu dem das Überschussangebot an Arbeitskräften aus dem ländlichen Raum zur Neige geht. Manche glauben, diesen "Turning Point" schon beobachtet zu haben, andere bezweifeln seine Existenz oder Relevanz. Kommt u.a. auf die Daten an, wie dem Artikel entnommen werden kann ... Donnerstag, 30. Juni 2011China/Brasilien - Deindustrialisierung?; Südafrika - Weltbank fördert KohlekraftNeu auf der Site Brasilien/China, Handel: Im Bett mit dem FeindSüdafrika/Kohlekraftwerk: Ein NotfallkreditDas erste ist die Abhängigkeit der Stromversorgung Südafrikas von Kohle, was die Weltbank 2010 zur Ko-Finanzierung eines neuen Kohlekraftwerks motiviert hat. Diese Abhängigkeit hat Südafrika mit China und Indien gemeinsam, wenn auch mit global gesehen geringeren Auswirkungen. Manche Fans der - notwendigen - "Energiewende", also der Umstellung auf erneuerbare Energieträger, scheinen gerne das Faktum der praktisch unvermeidbar steigenden Treibhausgas-Emissionen aus Kohlekraftwerken zu ignorieren. Im selben Atemzug lehnen sie jedoch auch F&E sowie Investitionen in eine mögliche "Sequestrierung" dieser Emissionen als Irrweg, das Konzept selbst als möglicherweise technisch unrealisierbar ab. Meine Position dazu, in Kürze: Es kann nicht schlecht sein, eine technische "Notlösung" parat zu haben ... (siehe auch die Beiträge zum Thema Kohle). Das zweite Thema ist das "alte" Problem mit dem so genannten "Freihandel" aus Sicht der etablierten Industrieländer, nämlich die Auslagerung von Produktionen in Niedriglohn-Länder bzw. eine damit drohende oder bereits eingetretene Deindustrialisierung ("giant sucking sound", in den Worten von Präsidentschaftskandidat Ross Perot 1992 - gemeint waren die Folgen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko). Heute steht auch Brasilien in seinen Handelsbeziehungen mit seinem "Partner" China vor diesem Problem, es ist nur allzu real, und eine einfache Lösung, sofern es überhaupt eine gibt, ist nicht in Sicht. Sonntag, 13. März 2011Decade of Action for Road SafetyNeu auf der Site Unfallkosten: Ein blutiges GemetzelAuch ich war schockiert, als ich 2009 eine entsprechende Meldung las. Daher beschloss ich, das Thema im Südwind-Magazin aufzugreifen. Das Ergebnis war der Artikel "Ein blutiges Gemetzel" in der Ausgabe vom März 2010, den ich nun auch auf dieser Website publiziert habe (siehe Link in der linken Spalte). Tatsächlich erklärte die UN-Generalversammlung noch im gleichen Monat, im März 2010, die Jahre 2011-2010 zu einer Decade of Action for Road Safety (Link zu den entsprechenden WHO-Seiten.) Immerhin etwas, auch wenn insbesondere die Hauptbetroffenen davon kaum etwas mitbekommen haben dürften. Montag, 24. Januar 2011Photovoltaik & Krise, Coltan/Tantal - DR Kongo
Hier publiziert habe ich die beiden Südwind-Artikel (Links in der linken Spalte) schon vor Monaten, aber noch nicht angekündigt, was ich hiermit nachhole.
Zur Photovoltaik nur kurz: 2010 war offenbar wirklich ein Rekordjahr für Solarzellenhersteller - und chinesische Anbieter konnten Analystenberichten zufolge im 3. Quartal 2010 ihren Anteil um 16% auf 66% steigern ... Die im Artikel erwähnten Befürchtungen eines weltweiten Verdrängungswettbewerbs haben sich so zwar nicht bestätigt, aber für 2011 würde ich es nicht wagen, Solaraktien zu empfehlen, trotz Prognosen eines weiteren starken Marktwachstums: Auf den Umsatz kommt es ja nicht unbedingt an, sondern auf die Gewinnentwicklung. Im zweiten Artikel über Coltan/Tantalerz habe ich Prognosen einer gewissen Verknappung für 2010 Glauben geschenkt. Das war gewagt, aber offenbar korrekt - die Preise haben sich verdoppelt. Nachfolgend beispielhaft ein Chart mit der Preisentwicklung für Tantalerz aus Afrika (Quelle: metalprices.com). ![]() Sonntag, 10. Oktober 2010Finanzkrise: Besser gleich an der Wurzel packenExterne Links Prof. Dr. Joseph Huber (Martin-Luther-Universität)Warum also nicht gleich das Übel an der Wurzel packen (anstatt bloß "herumzudoktern", u.a. mit schärferen Kernkapitalregeln wie "Basel III"), und dem Bankensystem die Geldschöpfungsfähigkeit einfach entziehen? Das ist jedenfalls der Vorschlag von Joseph Huber, den ich schon einmal kurz behandelt habe, im Oktober 2003 (siehe Vollgeld - wider die Ohnmacht der Zentralbanken (Oktober 2003)). Dankenswerterweise hat Joseph Huber nun (eigentlich schon im Mai des Jahres) ein Buch zum Thema herausgebracht, in dem er die Notwendigkeit der Monopolisierung der Geldschöpfung bei einer unabhängigen Zentralbank m.E. überzeugend begründet. Nebenbei würde der vollständige Ersatz des Giralgelds durch das neue Zentralbankgeld ("Vollgeld") einen weitgehenden Abbau der aktuellen Staatsverschuldung ermöglichen - eine Konsequenz, die mir bisher entgangen war. Ich kann das Buch nur empfehlen! Nachfolgend Titel, Umschlagtext und Bestellmöglichkeit. Joseph Huber Monetäre Modernisierung Zur Zukunft der Geldordnung Metropolis-Verlag, Marburg 2010 Im letzten Vierteljahrhundert haben sich mehr Finanzkrisen ereignet als je zuvor in einem solchen Zeitraum. Die Wurzel des Problems liegt im Geldsystem. Schon seine Bezeichnung als 'fraktionales Reservesystem' mit 'multipler Geldschöpfung' weist darauf hin, dass die Geldordnung undurchsichtig und kaum kontrollierbar ist. Das verselbständigte Giralgeldregime der Banken erzeugt überschießende Geldmengen per Kredit und fördert damit Spekulationsblasen, Krisenentstehung und allgemeine Überschuldung, letztlich vor allem die Überschuldung der Staatshaushalte auf Kosten der Allgemeinheit. In diesem Buch werden die Funktionsweise und die Fehlfunktionen des heutigen Geldsystems dargelegt. Im Anschluss werden verschiedene Reformansätze behandelt, insbesondere der Vollgeld-Ansatz. Dieser beruht auf der Trennung von Geldschöpfung und Kreditvergabe. An die Stelle des Giralgeldes der Banken tritt das vollwertige gesetzliche Zahlungsmittel, das ausschließlich von der unabhängigen Zentralbank in Umlauf gebracht wird. Die spezialisierten Banken sollen den Zahlungsverkehr abwickeln und Aktivitäten in den Bereichen des Kunden-, Immobilien- und Anlagegeschäfts finanzieren, jedoch ohne dabei selbst Zahlungsmittel zu erzeugen. Daraus folgende Vorteile sind sicheres Geld, stabilere Preise und Kurse (keine Assetpreis-Inflation), verstetigte Konjunktur- und Börsenzyklen, ungeschmälerter Geldschöpfungsgewinn zugunsten der öffentlichen Hand sowie übergangshalber die buchstäblich einmalige Gelegenheit, die Staatsschuld weitgehend abzubauen. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Bestellmöglichkeit unter folgendem Link: www.metropolis-verlag.de/Monetaere-Modernisierung/792/book.do |
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